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Eröffnung der Akademie für Tier- Mensch-Beziehungen – Graz (ATMB)
Am 11. Juli 2007 wurde die Akademie für Tier-Mensch-Beziehungen – Graz im Rahmen des ersten interdisziplinären Kolloquiums eröffnet. Der Gründungsrektor Univ. Prof. Dr. Johann Götschl und die Ehrenpräsidentin Charlotte Probst konnten zu diesem Ereignis zahlreiche Besucher/innen aus verschiedenen europäischen Ländern begrüßen. Die Akademie wurde gegründet, um die Idee der ethischen Verantwortung unserer Gesellschaft – nicht nur den Tieren gegenüber – weit über Österreichs Grenzen hinaus zu tragen.
Die vier grundlegenden Ziele der ATMB-Graz sind die Professionalisierung, die Interdisziplinarität, die Einheit von Erkenntnis und Ethik und die Harmonisierung von Theorie und Praxis. Anhand eines vielfältigen Ausbildungsprogramms sollen diese Inhalte verfolgt werden. Dabei steht immer die Frage nach der ethischen Verantwortung des Menschen im Mittelpunkt. In die Praxis umgelegt soll das Thema Ethik in verschiedene Lebens- und Arbeitsbereiche verstärkt integriert werden. Ethik und Verantwortung in Tierheimen, in Tierversuchs-Labors, in Altersheimen, in der Kinder- und Jugendbetreuung, in der Ökologie, in der Veterinärmedizin, überhaupt in der Wissenschaft, Ethik in der Wirtschaft und in der Gesellschaft allgemein. Der Ruf nach Verantwortung des Menschen für sein Umfeld wird beantwortet. Daher wird die Akademie für Tier-Mensch-Beziehungen - Graz ab 01.08.2008 den Studienbetrieb unter der Leitung des Gründungsrektors Univ. Prof. Dr. Johann Götschl aufnehmen und ein breites Angebot an Kursen, Vorlesungen, Vorträgen und Lehrgängen anbieten. Ziel ist es, mit diesem Ausbildungsprogramm Einzug in pädagogische Hochschulen, Universitäten, Ausbildungszentren und andere Fortbildungseinrichtungen zu halten, um den ethischen Aspekt der Beziehungen individuell zur jeweiligen Ausbildung zu unterrichten. Das Programm dieses Kolloquiums setzte sich aus zahlreichen hochkarätigen Vorträgen zusammen.
Univ. Prof. Dr. Alwin Fill
Sprachwissenschaftliche Betrachtungen
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Den Auftakt machte Univ. Prof. Dr. Alwin Fill, der dem Auditorium die sprachliche Dimension der Tier-Mensch Beziehungen näher brachte. Es wurde aufgezeigt, dass sich der Mensch häufig und vor allem in negativen Situationen, mit Hilfe seiner Sprache vom Tier distanziert. Die Forelle stirbt nicht, sie verendet. Die Kuh ist trächtig und nicht schwanger. Der Mensch stellt sich durch seinen Sprachgebrauch ins Zentrum und benennt Tiere nach dem praktischen Nutzen. So wird das Pferd zum Sportgerät, der Hase zum Kleidungsstück, die Ratte zum Versuchsobjekt, der Hirsch zur Trophäe und das Rind zur Gaumenfreude.
Der Vortrag von Univ. Prof. Dr. Fill regte sehr zum Nachdenken an und man ertappt sich immer wieder selbst, wie man Tiere „nicht artgerecht“ in der Sprache verwendet. Auf die Gleichstellung von Mann und Frau achten wir bereits in unserem Sprachgebrauch. Achten wir ab jetzt auch die Tiere.
Über die Ziele und Wechselwirkung moderner tiergerechter Tierhaltung sprach Dr. Franz Krispel, Präsident der steirischen Tierärzte und Amtstierarzt in der Bezirkshauptmannschaft Leibnitz. Am Beispiel von verschiedenen Schweinehaltungssystemen zeigte Dr. Krispel mit seinem Beitrag auf, wie unterschiedlich „artgerechte“ Tierhaltung definiert und praktisch umgesetzt wird.

Dr. Franz Krispel
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Schweine benötigen Sozialkontakt und eine fixe Rangordnung in der Gruppe. Zu viele Tiere auf engem Raum und die dauernde Haltung in Einzelkäfigen mit eingeschränkter Bewegungsmöglichkeit entwickeln häufig Fehlverhalten. Schweine sind sehr saubere Tiere. Sie richten einen eigenen Kotabsatzplatz ein, der mindestens 5 Meter vom Nest entfernt gelegen sein muss. In der Freilandhaltung dient das Suhlen im Schlamm der Hygiene. Heute steht meist der Profit im Vordergrund.
In den letzten 20 Jahren haben viele kleine Betriebe die Schweinehaltung aufgegeben. Allein in der Dekade von 1990 bis 2000 haben in der Steiermark 40% der schweinehaltenden Betriebe das Handtuch geworfen. Unter dem Motto „Wachsen und Weichen“ nehmen die Großbetriebe zu, wobei die Zukunft noch nicht absehbar ist. Denn im internationalen Vergleich liegt die durchschnittliche Größe österreichischer Betriebe im unteren Drittel. Dänische, irische und niederländische Betriebe halten im Durchschnitt über 1000 Tiere, deutsche immerhin 260 und der österreichische Durchschnitt liegt bei 52 Tiere je Betrieb. Es ist ein großes Anliegen, tiergerechte ethische Bedingungen zu schaffen. Die ATMB wird jedenfalls auch im Bereich der Ausbildung von Landwirten aktiv dazu beitragen, diesem Ziel näher zu kommen.
Als nächster Vortragender folgte der Theologe und Tierschützer Univ. Prof. Dr. Kurt Remele mit seinem Vortrag zum Thema Religion und Tier-Mensch-Beziehung. Sehr häufig bedeuten religiöse Feiertage und Rituale für unzählige Tiere das Todesurteil. Im katholisch geprägten Christentum werden zum Martinifest Millionen Gänse verspeist, im Judentum und Islam ist die Schlachtung der Tiere rituell genau festgelegt, und selbst im grundsätzlich tierfreundlicheren Hinduismus hat das Tieropfer einen traditionellen Platz.

Univ. Prof. Dr. Remele
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Aber es gibt auch tierfreundlichere Traditionsstränge. Es gibt in allen Religionen Gläubige, die sowohl mit Menschen als auch mit Tierenmitfühlen, sie achten und ihr Leben respektieren. Die prominentesten christlichen Beispiele dafür sind der heilige Franz von Assisi, Albert Schweitzer und Johannes Ude. Dieses Ziel verfolgen die Gründungsmitglieder der Akademie schon lange, und durch das Angebot der ATMB soll man diesem Ziel immer näher kommen. Professor Remele beendete seinen Vortrag mit folgendem buddhistischen Segensspruch: „Mögen alle Wesen frei von Leiden und den Bedingungen von Leiden sein.Mögen alle Wesen Glück und die Bedingungen für Glück besitzen.Mögen alle Wesen glücklich sein!“

Univ. Prof. Dr.
Bernd Schlicher
Gründungsmitglied der ATMB
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Univ. Prof. Dr. Bernd Schlicher, Gründungsmitglied der ATMB, zeigte historische rechtliche Veränderung der letzten Jahrzehnte auf und berichtete über die Entstehung des Tierschutzgesetzes. Anfangs lautete § 285 „Alle Dinge, die von der Person unterschieden werden können, und dem Gebrauch des Menschen dienen, sind eine Sache“. Tiere wurden im Kirchenrecht, im römischen Recht, im Bürgerlichen Recht von jeher als Sache betrachtet.
1780 wurde in England erstmals ein Tierrecht beschlossen. 1988 hat Charlotte Probst es in Österreich geschafft, dass zwei neue Paragraphen ins Gesetz aufgenommen wurden. Ab diesem Zeitpunkt wurden Tiere nicht mehr als Sache defi niert. 2005 wurde das Tier als Mitgeschöpf auf eine Ebene mit dem Menschen gestellt.
Wichtig ist aber, dass die Gesetze auch umgesetzt werden. Egal, ob Tiere denken oder sprechen können – sie können leiden.
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